Arbeiten im Newsroom – Journalistischer Fortschritt oder hinderliche Innovation?

Photo by David Sim, CC BY 2.0

Die Medienkonvergenz führt nicht nur zu einer veränderten Medienlandschaft. Auch die Arbeitsweisen und Arbeitsplätze gestalten sich neu. Die getrennten Ressorts gehören bei vielen Medien der Vergangenheit an.

Es wird in großen Redaktionsräumen, den Newsrooms, gearbeitet. Doch ist die Neuerung aus dem amerikanischen Raum wirklich eine Verbesserung der journalistischen Arbeitsweisen?

Arbeiten im Newsroom

Im Newsroom sitzen Journalisten, Redakteure, Grafiker und Programmierer in einem Raum. Technik, Content und Design sind somit zusammengeführt. Die Redakteure und Journalisten aus den ursprünglichen Ressorts können die Themen medien- und plattformübergreifend planen. Man versucht immer den besten Kanal für die jeweilige Nachricht zu nutzen.

Newsrooms in aller Welt

Das Konzept der Newsrooms erobert nicht nur Österreich, sondern Medienunternehmen auf der ganzen Welt.  Einen verhältnismäßig kleinen Newsroom betreibt beispielsweise die Welt-Gruppe mit einer Fläche von 400 qm. Die Austria Presse Agentur arbeitet seit 2005 in einem 1600 qm großen Newsroom. Chefredakteur Michael Lang zeigt sich sehr zufrieden mit dem Wandel und betont, dass es nun keine Geheimnisse mehr gebe. Der derzeit größte Newsroom gehört mit 6300 qm dem Daily Telegraph in London.

Drei wichtige Eigenschaften

Damit ein Newsroom auch funktioniert, muss bei der Architektur und der Einrichtung auf Transparenz, Einfachheit und Flexibilität geachtet werden. Es sollte ein großer, offener und freundlicher Raum mit flexibler Platzeinteilung sein. Die verwendete Technik muss simpel und für jeden verständlich sein.

Die größten Vorteile

Die Tatsache, dass man von einem einzigen Arbeitsplatz aus verschiedene Medien bedienen kann, ist im Zeitalter der Online-Medien von großer Bedeutung. Die ressortübergreifende Arbeit erleichtert Redaktionskonferenzen und ermöglicht es, in kurzer Zeit viele Meinungen von Experten auf anderen Gebieten hinzuzuziehen. Das bringt wiederum eine höhere journalistische Qualität der Beiträge mit sich.

Die Denkweise der Journalisten erweitert sich über ihr Expertengebiet hinaus und sie können ganz andere Perspektiven einbringen. Das Mitarbeiten in anderen Ressorts verstärkt das Verständnis für die Arbeit des jeweils anderen und verbessert das Arbeitsklima. Auf Dauer gesehen ist der Newsroom auch wirtschaftlich ein Fortschritt, da getrennte Ressorts schwieriger zu finanzieren sind.

Nachteile des Newsrooms

Eine Innovation erfordert immer neues Denken. Die große Herausforderung liegt darin, die Journalisten auf das Arbeiten in den großen Redaktionsräumen auszubilden, beziehungsweise umzuschulen. Dies erfordert anfangs sowohl Zeit, als auch Geld. Bis wirklich erfahrene Journalisten dort arbeiten können, dauert es lange. Das liegt auch daran, dass freie Mitarbeiter und billigere Arbeitskräfte bevorzugt werden.

Die organisatorische Grundlage muss bestehen bleiben. Die Arbeitsabläufe und die Artikel werden stärker beeinflusst und kontrolliert. Manche fürchten auch um die Individualität der Beiträge. Für einige sind die Diskussionen und die Teamarbeit eine zusätzliche Belastung.

Ausblick

Klaus Meier vergleicht den Newsroom  mit einem Fall der Mauern im Kopf. Der Medienberater Juan Antonio Giner prognostiziert den integrierten Newsroom als die Zukunft. Dieser soll 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche besetzt sein.