Kategorie-Archiv: Meinungen

Leben in der digitalen Blase

Dass Informationen über das Weltgeschehen einer Selektion unterzogen werden, ist ein bekanntes und so gut wie unvermeidbares Phänomen. Waren es in der Vergangenheit Verlage, Journalisten oder Politiker, denen diese sogenannte Gatekeeper-Funktion oblag, so sind es heute Algorithmen, die entscheiden welche Nachrichten uns zu Teil werden.

cc BY-NC-ND 2.0 - u.v.poblotzki

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Die allmächtige Social Media

Ein weit verbreiteter Spruch im Facebook Raum heißt „You are not the likes you get“. Ist es aber tatsächlich so? In der Welt von Web 2.0, die von der Blogosphäre, von Live Streams und Social Media Sites geprägt ist, geht es hauptsächlich um Partizipation und aktive Teilnahme.

Followers und Following auch in Facebook

Die Teilnahme an Facebook erfolgt durch kurzen Statusmeldungen oder auch durch Weiterleiten von Videos, was auch die Grundlage aller viralen Marketing-Kampagnen ist. Hauptsache ist, Facebook ermöglicht es leicht und direkt das Maß an Relevanz, Bezug, sogar den Interessantheitsgrad zu deklarieren – durch den Like-Button. So kann man leicht zwischen Nutzer, die aufgrund verschiedener Eigenschaften Meinungsführer in einer oder mehreren Sphären sind und solchen, die deren Statusen verfolgen unterscheiden. Das wird sogar durch die Einführung der Abonnieren-Schaltfläche vereinfacht.

The People´s Choice: Opinion Leaders

Die konstante technische Innovationen untermauern die Machtposition der Meinungsführer in der Online-Welt. Aber zurück zu der alten Theorie – wer sind eigentlich die Meinungsführer? Der Begriff stammt aus den 40-er Jahren aus einer Studie, namens The People´s Choice, von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet durchgeführt. Es wurde versucht den Zusammenhang zwischen medialen Aussagen und Entscheidungsprozess im Laufe des Wahlkampfes zu erfassen. Überraschenderweise stellten die Wissenschaftler fest, wie wichtig die interpersonelle Kommunikation für den Prozess der Meinungsbildung ist. Solche Menschen, die als Vermittler zwischen der medialen Welt und der Personen aus ihrem nahen Umfeld dienen, nannte man Opinion Leaders oder Meinungsführer.

Meinungsführer als Sprachrohr: No more!

Heute verfehlt diese Intermediärfunktion, man hat die Möglichkeit via Social Network Sites selber Meldungen, Botschaften zu kreieren und sie an das Publikum mitzuteilen. Es ist sogar so, dass die Nutzer zuerst über eine bestimmte Information via facebook und nicht von einer Nachrichten Webseite erfahren. Und zwar nicht, weil sie Nachrichten Sites nicht lesen, sondern weil darüber noch nicht publiziert wurde. So wie es heute morgen (22.05) der Fall war. Ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,5 hat Bulgarien geschüttelt; Hunderte von Statusupdates hatten die bulgarische Social Media Sites überflutet Stunden bevor es den Medien gelang, „die Realität abzubilden.“

Das lässt sich klar an dem folgenden Update erkennen:

Screenshot vom News feed: Atanas Pekanov

„So wie ich es sehe, haben die Medien gar keine Chance die Aktualität der Information in Facebook zu bekämpfen“ – 30 Personen gefällt das.

“Nothing is more out-of-date than yesterday’s news…”

Das Status-Update ist interessant aus 2 Gründen – erstens wegen der Meinungführersposition der konkreten Person innerhalb seiner Freundesliste und zweitens wegen der Betonung des Hautpvorteils von Facebook in Bereich Informationsbeschaffung – nämlich Aktualität. Die Meinungsführer sind nicht mehr ein Sprachrohr der Massenmedien, sie können selber Meinungen, Botschaften, Nachrichten mithilfe der Social Media Sites verbreiten.

To like or not to like?

http://www.flickr.com/photos/owenwbrown/4857593259/

Foto by owenwbrown

Mehr als 800 Millionen Menschen benutzen Facebook – doch nur gut 66 Millionen davon gefällt es – gemessen an der offiziellen Page des Unternehmens. Immerhin. Coca Cola gefällt knapp 42 Millionen und Pepsi nicht einmal einem Zehntel davon.

Keine Sorge: Pepsi ist immer noch beliebter als das Gefühl von Liebe, hat jedoch keine Chance gegen Schlafen. Was wäre die Welt ohne den Like-Button auf Facebook? Endlich ist für klare Verhältnisse gesorgt und jeder weiß genau, wo er steht. Zudem erfahren wir immer wieder etwas über die Gewohnheiten unserer Mitmenschen.

Hätten Sie gedacht, dass über eine Million Menschen weltweit Pedigree Hundefutter mögen? Knapp 40 Tausend gefällt der Tod sogar – für uns schwer zu bewerten, es muss sich hierbei wohl um Buddhisten handeln. Umso beruhigender ist jedoch zu wissen, dass es nur 12 Tausend Querdenkern gefällt, auf den Wohnzimmerteppich zu kacken und dem Hund dafür die Schuld zu geben. Weiterlesen

Facebookverbot für ORF: Zurück ins Schwarzweiß-Zeitalter

ORF und Facebook

Bild: Michel Jungwirth

Bis vor kurzem hatte der ORF ein schwieriges Verhältnis zu Social Media und Facebook. Nun könnte man sagen, er habe gar keines mehr. Ein Bescheid der österreichischen Kommunikationsbehörde untersagt dem ORF die Betreuung von diversen Facebook-Seiten. Dafür ist der ORF zum Teil selbst verantwortlich. Eine Reform des ORF-Gesetzes wird nun von vielen Seiten gefordert.

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ACTA – warum ist es so umstritten?

by kurrija (CC BY-SA 2.0)

Das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA soll den Missbrauch von geistigem Eigentum durch eine Vereinheitlichung der Maßnahmen zur Durchsetzung der Rechte von Künstlern verhindern. Das heißt, dass internationale Standards die Produktpiraterie eindämmen sollen. Das hört sich ja eigentlich sehr lobenswert an, oder? Es gibt aber einen Haken.

Mangel an demokratischer Glaubwürdigkeit

Schon alleine die sehr intransparenten Verhandlungen schüren den Zorn bei vielen ACTA-Gegnern. Die Inhalte des Abkommens wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit verfasst, was den demokratischen Werten enorm widerspricht. Auch der nicht gewählte ACTA-Ausschuss hat keine Verpflichtung, eine öffentliche Rechtfertigung abzugeben. Weiterlesen

ACTA und seine Auswirkungen auf Online-Journalismus

ACTA gegen Online-Journalismus

Foto: Khatuna Khutsishvili

Das Internet ist ein globales Kommunikationsnetzwerk. Daten lassen sich in Sekundenbruchteilen um die ganze Welt schicken. Ob es sich dabei um urheberrechtlich geschütztes Material handelt oder nicht, ist für die technische Infrastruktur irrelevant. Ganz anders die politischen und juristischen Gegebenheiten: Was im einen Land einen Gesetzesverstoß darstellt, kann in einem anderen Land durchaus legal sein. Da Online-Journalismus auf die Daten im Internet angewiesen ist, kann ACTA die Freiheit durchaus beeinträchtigen. Weiterlesen

Digitale Kunst – Randalieren im Netz

Widerstand und Kritik gegen dominierende Online-Großmächte gehören heute bereits zum guten Ton. Sei es durch Organisationen wie Anonymus oder auf individueller Ebene – viele setzen Statements gegen die Vormacht von Konzernen wie Facebook oder Amazon. Einige sehen in der Kunst eine Möglichkeit diese Internet-Autoritäten zu untergraben. So ist die Netzkunstguerilla eine Bewegung, die vorhandene Strukturen hinterfragt und die Menschen dazu animiert, in einen öffentlichen Diskurs über aktuelle Entwicklungen zu treten.

cc fffff.at/fuckflickr/occupyinternet/

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Die Piraten – Freibeuter des geistigen Eigentums?

Piratenpartei sorgt für Spannungen

Foto: M.Bottesch

Das Phänomen Piratenpartei spaltet die Gemüter in Europa und vor allem in Deutschland. Dort haben Piraten Einzug in den Berliner Senat und den Landtag von Saarland gehalten und stehen kurz davor, das gleiche in Nordrhein- Westfalen zu schaffen.

Die Partei, der nachgesagt wird, mit ihrer Inhalts- und Ahnungslosigkeit geradezu zu prahlen, vertritt aber zu einigen Themen ganz konkrete Meinungen. Dazu gehört ihr Modell der reformierten Leistungsverwertungsrechte, wonach die Vervielfältigung, die Weitergabe und Bearbeitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten großzügig gelockert werden sollen. Weiterlesen

el_floz CC BY-NC-SA 2.0

Selbstregulierung- und Meldemechanismus von illegalem Material auf Youtube in der Praxis

Bestimmte Filme aus der NS-Zeit sind auch heute nicht ohne weiteres für die Öffentlichkeit zugänglich. Aufgrund ihres rassistischen, antisemitischen oder volksverhetzenden Inhalts wurde ihre Freigabe von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verweigert. Trotz des Verbots sind einige dieser „Werke“ auf Youtube zu finden. Wir meldeten diese Filme und gingen der Frage nach, was mit diesen Videos nach so einer Meldung passiert. Weiterlesen

Haben es Journalisten schwer?

Zeitung

"Zeitung", Alexandra-K. Mayer

Die neuen Medien stellen die Branche auf den Kopf. Die Anforderungen an gute JournalistInnen scheinen zu explodieren. Nicht nur schreiben sollen sie, nein: Die multimedialen Möglichkeiten der Social Media sollen ausgeschöpft werden. Schnelligkeit ist oberstes Gebot.

Gutes Schreiben allein hat noch nie die Guten der Zunft ausgemacht. Die Grundpfeiler des gepflegten Journalismus sind: eine gute, möglichst vielfältige Ausbildung, ein unstillbarer Wissensdurst, der Biss, an Themen dran zu bleiben, und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Die neuen Social Media stellen nun zusätzliche Anforderungen an die Medienhäuser und ihre MitarbeiterInnen. Die Motivation zu lernen, Engagement und Flexibilität werden immer wichtiger.

Neu ist das freilich nicht. Weiterlesen