Bis vor wenigen Jahren hatte der Journalist als Gatekeeper das Monopol, zu entscheiden, welche Informationen für die Rezipienten freigegeben werden. Im Web 2.0 wird die Rolle des Gatekeepers jedoch von jedem einzelnen User übernommen. Schlussendlich hat sich der Gatekeeper zum Gatewatcher entwickelt.
Definition des Gatekeepers
In den Massenmedien wie TV, Radio und Zeitung fungiert der Journalist als Gatekeeper, das heißt, er wählt aus, welche Nachrichten veröffentlicht werden. Er allein entscheidet also, welche Informationen es wert sind, einem breiten Publikum präsentiert zu werden.
Die Rolle des Gatekeepers im Web 2.0
Im Web 2.0, insbesondere in seinen journalistischen Anwendungen wie Blogs und Foren (seit jüngster Zeit zählen auch soziale Netzwerke dazu), ist der Gatekeeper in seiner ursprünglichen Form nicht gefragt. Er wird in der Online-Welt nicht gebraucht, um eine Nachricht öffentlich zugänglich zu machen. Inhalte breiten sich hier rasend schnell aus, kein Gatekeeper könnte diese Eigendynamik unterbrechen oder verhindern. Der User selbst steuert die Veränderungen des Internet. User veröffentlichen Nachrichten und Informationen, unabhängig davon, ob diese den Nachrichtenfaktoren entsprechen oder für andere interessant sein könnten.
Ihre Intention ist, den anderen Nutzern mitzuteilen, welche Neuigkeiten sie interessieren, weil sie diese für besonders wichtig, skurril, spannend, usw. halten. Inhalte suchen sich im Internet den direktesten Weg von der Quelle zum Konsumenten, der Journalist als Zwischenstation fällt weg. Nicht mehr er alleine entscheidet, welche Informationen das Publikum erhält – die Rolle des Gatekeepers wird im Web 2.0 von jedem einzelnen übernommen.
Kurz gesagt: Der Journalist als Gatekeeper ist zwar noch in den Massenmedien wie TV, Radio und Zeitung tätig, die Menge an Informationen in der Online-Welt ermöglicht es den Internetnutzern jedoch, ohne klassischen Gatekeeper an die Nachrichten zu kommen, die sie benötigen. Der Journalist hat das Informationsmonopol, das lange Zeit er allein inne hatte, verloren.
Vom Gatekeeper zum Gatewatcher
Bereits heute, vor allem aber in der nahen Zukunft, wird der Gatekeeper durch die journalistischen Möglichkeiten des Web 2.0 immer mehr zum Gatewatcher. Dies bedeutet, dass der Journalist die Menge an Informationen und Neuigkeiten beobachtet und für die Rezipienten jene herausfiltert, die im jeweiligen Gebiet wirklich wichtig und den übrigen Nachrichten in punkto Wahrhaftigkeit, Richtigkeit und Überzeugungskraft deutlich voraus sind.
Anders gesagt, er prüft vorab die Inhalte für sein Publikum und pickt die echten „Perlen“ heraus, die es wert sind, dass man ihnen als Konsument seine Aufmerksamkeit widmet. Mit Hilfe des Gatewatchers spart der Rezipient also Zeit und Mühe, weil er zwar alle Neuigkeiten präsentiert bekommt, aber gleichzeitig darauf hingewiesen wird, welche Nachrichten die interessantesten sind.
Fazit: Nicht nur der Journalist wird immer mehr vom Gatekeeper zum Gatewatcher – im Web 2.0 fungiert auch jeder einzelne User als Gatekeeper.


2 Kommentare zu “Die Zukunft des Gatekeepers”
am 30. März 2013 um 20:40 #
[...] und seine Bedeutung für die Gesellschaft. Ist er überhaupt noch von Bedeutung? Der einstige Gatekeeper, der Journalist als Entscheidungsträger über die Diskussion von morgen, ist vor lauter neuer [...]
am 18. September 2012 um 14:02 #
[...] immer noch ein journalistischer Prozess ist, für den es ausgebildete Journalisten gibt.” Dieses journalistisches Selbstverständnis als Gatekeeper, das durch journalistische Web 2.0-Anwendungen wie Blogs, Foren oder Social-Media-Kanäle in den [...]