Digitale Kunst – Randalieren im Netz

Widerstand und Kritik gegen dominierende Online-Großmächte gehören heute bereits zum guten Ton. Sei es durch Organisationen wie Anonymus oder auf individueller Ebene – viele setzen Statements gegen die Vormacht von Konzernen wie Facebook oder Amazon. Einige sehen in der Kunst eine Möglichkeit diese Internet-Autoritäten zu untergraben. So ist die Netzkunstguerilla eine Bewegung, die vorhandene Strukturen hinterfragt und die Menschen dazu animiert, in einen öffentlichen Diskurs über aktuelle Entwicklungen zu treten.

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Netzkunstguerilla

Weltweit gibt es unzählige Künstler und Projekte, die sich permanent mit den (unbewussten) Hierarchien im Netz auseinandersetzen. Ihr Ziel ist in erster Linie, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, diese Strukturen nicht als gegeben hinnehmen zu müssen, sondern sie zu hinterfragen.

Vor allem die Rolle des Einzelnen in dieser Ordnung ist zu überdenken. Eine Organisation die sich dieser Anregungen zum Querdenken ganz stark angenommen hat, ist F.A.T. Lab (Free Art and Technology Lab). Es handelt sich hierbei vorwiegend um Künstler und Hacker, die verschiedene Programme bzw. Add-ons schreiben.

Diese Add-ons verändern das Erscheinungsbild von Internetseiten oder ermöglichen den Usern einen individuelleren Zugang zur Nutzung bzw. die Möglichkeit, gegebene Strukturen zu beeinträchtigen und neu zu gestalten. So kann beispielsweise das Programm “Add Art“ Werbebanner durch Kunstwerke ersetzen und der “China Channel“ chinesische Internetzensur erlebbar machen.

Diese Art der Kunstguerilla, also dem subversiven Platzieren von Kunst, geht auch das Projekt “Webmarker” nach. Dass diese Konzepte nicht immer Wohlgefallen seitens der Konzerne auslösen, ist wohl offensichtlich. So beinhaltete “Pirates of the Amazon“ einen „Umsonst“-Button, der direkt von Amazon auf eine illegale Online-Tauschbörse verlinkte. Juristisch gesehen handelt es sich bei diesen Projekten jedoch nach wie vor meist um rechtliche Graubereiche.

Wozu Protest durch Netzkunst?

Das österreichisch-schweizerische Künstlerduo ubermorgen.com widmet einen großen Teil seiner Arbeit digitalem Kunstaktivismus, um mediale Kommunikationsprozesse in Gang zu setzen. Sie wollen damit die Themen internationales Recht, Demokratie und globale Kommunikation aufs Tableau der Alltagsdiskussionen bringen.

Ihre Projekte wie “[V]ote-Auction” (eine Plattform für den Stimmenkauf und -verkauf im us-amerikanischen Wahlkampf 2000) oder “GWEI – Google Will Eat Itself” (ein Versuch Google auszutricksen und durch den eigenen Werbeeinnahmen-Mechanismus aufzukaufen) sorgten für internationales Aufsehen. Doch betonen die Netzkunst-Organisationen auch stets, dass sie niemandem schaden wollen.

Ihr Ziel ist es, mit subversiven Schritten an der passiven, allumfassenden Akzeptanz Kritik zu üben. Häufig verschließt die Bevölkerung schlicht ihre Augen vor der Möglichkeit aktiver Mitgestaltung – sei es aus Bequemlichkeit oder aus Unwissen. Projekte der Netzkunstguerilla möchten das Bewusstsein dafür schärfen, dass es Möglichkeiten gibt sich gegen das Diktat querzustellen. Der Fokus liegt deshalb stets auf Partizipation und Reflexion.