“Ich will hier einfach keine Fehler und unlogischen Argumente stehen haben. Und ich will beweisen, dass sich mit interessierten Studentinnen und Studenten ein Channel füllen lässt, der nicht nur Fundstücke von anderswo wieder ausspuckt”, schreibt Eberhard Lauth. Das hat seine Berechtigung. Und dann auch wieder nicht.
Weshalb ich hier meine eigenen fehlerhaften und, mag sein, unlogischen Argumente den seinen anschließe.
Schritt 1 ist, eine Entscheidung zu treffen, wer/was man sein will: Ist das digitaljournal ein Blog einer UE-MUME, dann darf es fehlerhaft sein, dann steht das Wort “Übung” im Vordergrund, dann geht’s darum, dass Menschen, die nie gebloggt haben, denen sowohl Materie als auch Arbeitstechnik fremd sind, sich ausprobieren und lernen können. Und zum Ausprobieren gehört nunmal Scheitern, sonst wäre Google nicht so erfolgreich.
Wenn also der UE Aspekt der entscheidende ist, wenn die Idee ist aus “Noch-nicht” Digital Natives solche zu machen (so man das von außen überhaupt kann), dann war es genau richtig, wie’s war. Dann hätte ich sogar teilweise schlecht(er) argumentierte Texte veröffentlicht, um sie zur Diskussion zu stellen – unsere Moderationsschleife war ja letztlich ein Schutz vor eventuell herb geratener öffentlicher Diskussion.
Voraussetzung, dass das klappt ist jedoch, dass eine derartige Diskussion auch stattfindet. Für mich hat das digitaljournal gut funktioniert, hinsichtlich des publizierten Outputs – aber Bloggen ist ja ein wechselseitig kommunikativer Prozess und da hat’s ein wenig gehapert.
Mag sein, dass Bloggen ohne Interaktion seine Daseinsberechtigung hat, aber wohl eher dort, wo es im Bereich des Tagebuchführens angesiedelt ist, sicher nicht bei einem, wie minimalistisch auch immer formulierten, journalistischen Anspruch. Ein verbesserter Modus Procedere muss für mich in erster Linier hier ansetzen: An der Interaktion, an der Diskussionswilligkeit aller Beteiligten. Bei 145 veröffentlichten Beiträgen 40 Kommentare, deren Löwenanteil von den LV-LeiterInnen bestritten wurde – das kann’s eigentlich nicht sein, net woar?
Dass der Channel “Fundstücke von anderswo wieder ausspuckt” war explizit Teil der Aufgabenstellung. Und ja, es ist für die meisten LeserInnen (auch für mich) vollkommen uninteressant, aggregierte Agenturmeldungen etc. vorzufinden, aber im Sinne des “UE” in UE-MUME kann ich da 100% dazu stehen, weil bitter, aber wahr, werden viele der heutigen LV-BesucherInnen mit dem Aggregieren von Agenturmeldungen ihren Lebensunterhalt fristen. Also sollen sie auch mal damit herumgespielt haben. Wird ein zunehmend nötigerer Skill.
Außer man will es nicht, dieses “UE”. Und da kommen wir zu der eingangs angesprochenen Entscheidung. Produziert das digitaljournal Wissen für seine ProduzentInnen (Techniken, Skills, Erfahrung) oder Wissen für seine LeserInnen (Diskussionsstoff, Themen setzen)?
Helge Fahrnberger hat bei KOBUK diesbezüglich klare Prioritäten gesetzt. Für ihn steht das “Produkt Kobuk” über dem Lernziel, es würde Kobuk, so sagt er, auch weitergeben, wenn es seine LV am Publizistikinstitut nicht mehr gäbe. Daher auch der strenge Selektionsprozess, daher auch der Erfolg bei Publikum und Kollegenschaft. Und ja: Ich steh auf Kobuk. Ich <Nestbeschmutzer Modus> lese es lieber als unser digitaljournal und ich halte es für wesentlich relevanter </Nestbeschmutzer Modus>. Aber nur für’s Publikum, nicht notwendigerweise für die LV-BesucherInnen, die Woche für Woche produzieren und nur zu einem geringen Prozentsatz veröffentlicht werden.
Der medienkompetente Digital Native mag Notwendigkeit (oder zumindest Wunschfigur) der Gesellschaft sein. Realität ist er nicht. Aber wenn man hofft, dass zumindest aus Digital Immigrants schrittweise Residents werden, sollte man ihnen die Chance zum Ausprobieren nicht durch all zu darwinistische Selektion nehmen. Weil, wer weiß…?

Ein Kommentar zu “digitaljournal: Fazit, continued”
Unterschrieben. Aber trotzdem: Es gibt viel zu tun.