Facebook: Der “Nicht jetzt”-Button, das Datenschutz-Schlamassel und seine Folgen

Wie einigen vielleicht schon aufgefallen ist, hat Facebook vor etwa einem Monat das Feature geändert, mit dem sich Freundschaften ablehnen lassen. Anstelle des alten Buttons „Ignorieren“, ist da jetzt ein „Nicht jetzt“. Das hat mich zuerst gewundert: Ich hatte beinahe Angst, Facebook wäre nun so weit gegangen, mir gar nicht mehr die Möglichkeit zu geben, Anfragen komplett zurückzuweisen.

Nach all dem Trubel um die Verletzungen der Privatsphäre von UserInnen, die sich Facebook so leistet, hätte mich das nicht weiter gewundert. Die Skepsis gegenüber Facebook (und dem, was mit den eigenen Daten passiert), ist vermutlich mehr denn je berechtigt. Dass wir heutzutage alles über uns bereitwillig ins Internet stellen, macht es natürlich für einige verlockend, diese Daten für andere Zwecke zu nuten. Selbstverständlich versichert Facebook, dass Daten nicht an Dritte weitergegeben werden, aber wer kann einem das garantieren?

Beispielsweise geben Facebook-Spiele wie FarmVille oder Mafia Wars laut dem Wall Street Journal Daten tatsächlich an Werbefirmen weiter. Freilich fragt Facebook zuvor um die Genehmigung, auf die Daten zugreifen zu dürfen, aber wer denkt schon daran, dann für Werbezwecke benutzt zu werden? Nun ja, heutzutage sollten dies alle tun.

Außerdem bleibt immer noch das Argument, dass UserInnen selbst in der Lage sein sollten, abzuschätzen wie viel Information sie mit der Welt teilen wollen. Schließlich wird man ja nicht dazu gezwungen Fotos und Informationen über die eigene Person online zu stellen. Selbst wenn etwa problematsiche Bilder nachträglich wieder gelöscht werden sollten, werden sie bekanntlich nie wirklich gelöscht, sondern befinden sich nach wie vor im Content-Delivery-Network von Facebook.

Doch genug vom Datenschutzschlammassel, zurück zu unserem Anfangsthema: Es gibt nun diesen neuen „Nicht jetzt“-Button, der das tatsächliche Ignorieren von Menschen, die mit einem befreundet sein wollen, verzögert. Die betroffene Person wird in eine Art „Warteliste“ eingeordnet. Nach wie vor gibt es die Möglichkeit eine Anfrage komplett abzulehnen und damit die Person zu blockieren – sogar so, dass diese keine weiteren Anfragen senden kann.

Dies erfordert aber einen weiteren Klick und bleibt UserInnen, die nur schnell auf „Nicht jetzt“ klicken möglicherweise verborgen. Der große Kritikpunkt: Personen die sich in der oben genannten „Warteliste“ befinden, können weiterhin Statusmeldungen und andere Informationen sehen, die in den Privatsphäre-Einstellungen für Beobachter außerhalb der Freundliste festgelegt worden sind.

Darauf aufmerksam gemacht wird man natürlich nicht. Facebook rühmt sich zwar damit, immer ausgeklügeltere Privatsphäre-Einstellungen und Features wie dieses anzubieten, tatsächlich ist es aber so, dass es viel Zeit, Wissen und Klicks braucht, diese für die eigenen Bedürfnisse zu konfigurieren.

Das legt den Verdacht nahe, hier werde bewusst mit der Idee gespielt, dass UserInnen zu faul und zu uninformiert sind, diese Eisntellungen vorzunehmen, was dann genau zum Gegenteil führt – zu weniger Privatsphäre.

URL: Gizmodo: Facebook Friends Rejects Can Still Follow You»

Kurier: “Nicht jetzt” statt “Ignorieren”»

Netzpolitik: Facebook löscht wohl noch immer keine Fotos komplett»

Gizmodo: FarmVille ‘Breaks’ Facebook Privacy Rules, Sends Personal Info To Ad Firms

The Wall Street Jorunal: Facebook in Privacy Breach

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