Feedreader: Die Staudämme der Informationsflut im Netz

Quelle: feedicons.com

Das Thema „Social Media im Arbeitsablauf österreichischer JournalistInnen“ hat die Kollegin Christin Hampicke vor ein paar Tagen abgehandelt. Er kommt zu dem Schluss, dass die Nutzung von Social Media bei österreichischen JournalistInnen noch ausbaufähig ist. Ebenso verhält es sich mit einer weiteren Form der Quellenorganisation im Netz: Feedreader sind eine einfache, übersichtliche und elegante Lösung, um die beinah unendliche Masse an digitaler Information (beispielsweise Nachrichten, Blogposts, Podcasts oder Videobeiträge) individuell zu organisieren.

Heinz Wittenbrink, Professor für Onlinejournalismus liefert in seinem Artikel „Warum Newsfeeds wichtig sind“ einige theoretische Ansätze, warum Newsfeeds und der Gebrauch von Feedreadern für Journalisten so interessant, wenn nicht gar essentiell sind. Kurz zusammengefasst: Inhalte im Web sind viel loser an die Distribution gekoppelt als bei klassischen Medien, etwa Fernsehen, Print, Radio oder TV. Deshalb lassen sich diese Inhalte individuell und zum eigenen Vorteil organisieren.

Wittenbrink geht sogar so weit zu sagen, dass Newsfeeds die charakteristische Zugang zu journalistischen Information im Web sind. Und der weitere Vorteil: An Newsfeeds hängt immer auch ein soziales Netzwerk, welches für den Nutzer eine wichtige Filterfunktion übernimmt. Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke forcieren dabei eine eher feste Koppelung zwischen dem Netzwerk und der Information. Bei Feeds verhält sich das anders: Beinah jeder Blog, jede Nachrichtenseite oder Podcast hat irgendwo auf der Website einen RSS-Button.

Das heißt, die Informationen sind in ihrer Grundform (Text, Bild, Grafik, Video, Audiofile) abrufbar, sie sind also an keine feste Darstellungsform gebunden (beispielsweise Facebook-Post oder Tweet). Man kann die Informationen auf diese Weise so organisieren, wie es für den eigenen Arbeitsalltag am besten geeignet ist und man hat dennoch ein soziales Netzwerk dahinter, das die Inhalte permanent filtert. In Echtzeit und zeitlich geordnet.

Quelle: Screenshot des eigenen Feedreaders

Die prominentesten Beispiele für Feedreader sind wohl der Google Reader und Feedly. Beide stehen für einen jeweils anderen Zugang zum Lesen von Feeds. Der Google Reader orientiert sich in seiner subjektiven Hässlichkeit klar an bekannten Mailprogrammen: Die eintreffenden Feeds werden chronologisch angezeigt und man kann sie bequem über die linke Seitenleiste in Themengebiete oder je nach Geschmack organisieren. Damit kommen auch Einsteiger schnell klar. Wem das zu steril ist, für den bietet Feedly eine spannendere Variante um personalisiert zu lesen. Der Reader stellt die Feeds beinah wie ein Magazin dar. Bevorzugte Quellen stehen am Anfang, besonders interessante Inhalte werden groß dargestellt und so weiter.

Quelle: Screenshot

Wer noch nie mit einem Feedreader in Berührung gekommen ist, sollte sich beide Beispiele ansehen. Zum Google Reader gibt es etwa hier eine kleine aber feine Video-Einführung auf Englisch. Wer lieber liest, ist mit diesem englischen Artikel von Matt Singley (Mashable) gut beraten. Feedly bietet schon auf der Homepage ein übersichtliches Tutorial.

Zugegeben: Ich organisiere meine Quellen auch erst seit einem Jahr bevorzugt über Feedreader. Dennoch habe ich viel gelernt, besonders in punkto Media Literacy und News Sense. Mir fällt der so wichtige Überblick leichter: Was passiert gerade in den Themenfeldern, die mich interessieren? Wer schreibt worüber und warum?

Bis jetzt habe ich dies selbst organisiert, also Feeds abonniert oder gekündigt. Künftig könnte diese Personalisierung aber auch automatisch vorgenommen werden. Ein Beispiel dafür ist der Service my6sense. Je nach dem, welche Nachrichten man liest und welche man überspringt, reagiert my6sense darauf, positioniert Themen prominenter oder schlägt neue vor.

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