Information 2.0: Wie sich durch Social Media das Informationsverhalten ändert

New News Cycle

Foto by wcn247; flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Heute informiert man sich primär im World Wide Web über ein Thema. Man wartet nicht mehr auf Informationen, sondern holt sich diese wann immer man will aus dem Netz. Das Internet verändert also unser Informationsverhalten. Doch was bedeutet das für die Produktion von Nachrichten?

Neues Informationsverhalten
Beim Frühstückskaffee wird nicht mehr die Zeitung aufgeschlagen oder die Internetseite eines Nachrichtenmediums aufgerufen, sondern man geht auf Twitter, Facebook und Co und schaut was das Soziale Netzwerk für relevant hält. Das macht sie zu neuen Taktgebern des Alltags und der gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Daten der Allensbacher Computer- und Technikanalyse (ACTA) belegen das. Nachrichten werden zunehmend im Internet konsumiert. Das betrifft vor allem die Generation zwischen 20 und 39 Jahren. In der gleichen Altersgruppe hat die Zeitung als Nachrichtenquelle an Bedeutung verloren.

Internet vs. Fernsehen und Zeitung
In Zeiten von Smartphones, Tablets usw. ist man auch unterwegs ständig mit dem Internet verbunden. Die Online-Kommunikation nimmt stetig zu. Bevorzugter Ort dafür ist das Soziale Netzwerk. Mitglieder eines Solchen sind deutlich öfter im Internet anzutreffen, als Nicht-Mitglieder. So sind 60 Prozent der Netzwerker mehrmals täglich online.

Für ein Drittel aller Menschen ist das Internet also mittlerweile die wichtigste Informationsquelle. Zwar liegen Fernsehen und Zeitung immer noch vorne, jedoch verringert sich der Abstand zwischen Internet und den traditionellen Medien zunehmend.

Social Media für traditionelle Medien
Das Internet verändert also unser Informationsverhalten, soviel steht fest. Was bedeutet das nun für die Produktion von Nachrichten und die traditionellen Medien? Amerikanische Medien wie die New York Times und die Huffington Post zeigen vor, wie Leser, Medium und Journalist von Social Media profitieren können. Sie nützen Facebook und Co für die Themenrecherche, Bewerbung von Artikeln und die Stärkung der eigenen Marke durch einen engen Kontakt zum Leser.

Twitter hat sich mittlerweile zum schnellsten Informations- und Nachrichtenmedium der Welt entwickelt. Als Journalist kann man hier Nachrichtentrends in Echtzeit verfolgen und darauf reagieren.

Die Kontaktzahlen erhöhen sich dank Social Media erheblich. Jeder Fan oder Follower eines Artikels ist gleichzeitig ein Multiplikator. Auf Facebook werden jede Woche 500 Millionen Inhalte geteilt, darunter auch Nachrichtenlinks. Besonders Empfehlungen von Freunden wird Beachtung geschenkt und das Medium gewinnt dadurch neue Leser.

Der neue Nachrichtenkreislauf
Social Media Plattformen unterstützen Medienunternehmen beim Wandel von einem reinen Publikationsmedium zu einem aktiven Service- und Kommunikationsmedium. Dadurch verändert sich auch die Entstehung von Nachrichten. Diese verbreiten sich immer mehr über Soziale Netzwerke und Blogs. Ellyn Angelotti vom Poynter Institute bezeichnet diesen Vorgang als „New News Cycle“. Durch diesen neuen Nachrichtenkreislauf wird auch die eigentliche Entstehung einer Geschichte beeinflusst. Haben Journalisten doch nun die Möglichkeit mit Lesern zu kommunizieren, wovon auch die Geschichte profitieren kann.

„Man muss dorthin gehen wo die Leute sind“
Jeff Jarvis, ein US-amerikanischer Journalist und Professor an der Graduate School of Journalism der Universität von New York, definiert das Erfolgsrezept für Medienunternehmen wie folgt: Man muss zuerst dorthin gehen wo die Leute sind und danach Mitteilenswertes verbreiten. Ob etwas Mitteilenswert ist, entscheidet der User. Deshalb muss unbedingt auf seine Anfrage hin, geschrieben werden. Der Dialog mit dem User bzw. Leser ist daher wesentlich und darf nicht vergessen werden.

Journalismus und Social Media
Die Bedeutung von Social Media für den Journalismus und die Nachrichtenproduktion wurde erkannt. Das verändert also nicht nur unser Informationsverhalten, sondern auch das Berufsbild des Journalisten. Frank Schirrmacher, Feuilletonist und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, steht den neuen Informationsmedien sehr kritisch gegenüber. Dennoch betont er, dass der Journalist der Zukunft sich vernetzen muss. “Viele wichtige Informationen wird er bekommen, indem er bei Facebook oder Twitter ist. Er sollte sich dort seine Freunde professionell aussuchen – nicht nach der Frage: ‘Mit wem will ich ein Bier trinken gehen?’ Sondern nach der Frage: ‘Wer interessiert sich für die gleichen Dinge wie ich und von wem bekomme ich Informationen, die interessant sind?’ ”

Schirrmacher bringt damit das Prinzip des neuen Informationsverhaltens, welches nicht nur für den Journalisten gilt sondern für uns alle, auf den Punkt.

 

Weiterführende Links:

off the record: Wer braucht Google wenn er Social Media hat
vi knallgrau company weblog: Social Media Journalismus
slideshare.net: Journalismus 2.0 – Informationsströme durch das Social Web

slideshare.net: Social Media im Journalismus
slideshare.net: the new journalist in the age of social media

web-ideas.de: Studie Journalismus und Social Media

savethemedia.com: a journalists guide to the ethics of  social media
The Guardian: How social networking is changing journalism
mashable.com: 10 ways journalism schools are teaching social media
faz.net: Wie das Internet das Informationsverhalten verändert

faz.net: Twitter ist mehr Nachrichtenmedium als Soziales Netzwerk
derstandard.at: Facebook bringt Newsseiten mehr Traffic als Google
Weblog von Jeff Jarvis: buzzmachine.com

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