Let The Data Speak!

Screenshot-Ausschnitt der interaktiven Infografik zum Afghanistan Krieg

Screenshot-Ausschnitt der Infografik von Guardian zum Afghanistan Krieg

Die Erfolge im Datenjournalismus lassen nicht länger auf sich warten. Vor allem die New York Times und der Guardian haben in Kooperation mit Wikileaks und den Daten aus den Irak- und Afghanistan-Kriegstagebüchern das Thema mit interaktiven Infografiken weltweit vorangetrieben. Sind ähnliche Entwicklungen auch im deutschsprachigen Raum zu erwarten? Und welche Kenntnisse werden benötigt, um anschaulichen, informationsreichen und benutzerfreundlichen Datenjournalismus zu betreiben? 

Datenjournalismus erobert das WWW

Interaktive Infografiken erobern immer öfter das Web und das Interesse der Leser, denn sie bieten Recherche-Umgebungen, die den Einstieg in große Datensätze ermöglichen. Dabei setzt der Datenjournalismus vor allem auf Datenbanken und Interaktivität – ein großer Vorteil für den Online-Bereich, da diese nur im Browser oder einer „App“ funktionieren können.

Denn bislang wurden Datensätze als Beiwerk oder zur Unterstützung eines Artikels angeboten, mit den Entwicklungen im Datenjournalismus wird nun der Datensatz der Gegenstand der Berichterstattung. Vor allem durch die OpenData-Bewegung und die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen entstehen immer größere Datenmengen, die inhaltlich aufbereitet werden können. Denn in vielen Datensätzen liegen oft viele interessante Fakten und Zusammenhänge verborgen.

Nachteile des Datenjournalismus

Vor allem der hohe Arbeitsaufwand und die notwendige Recherche bringen Nachteile in die neue Form der Datenaufbereitung. Auch „computer-literacy“ – die Notwendigkeit, einen Computer bedienen zu können und eventuell auch über Programmierkenntnisse zu verfügen, erhöhen den Kostenfaktor. Doch nicht nur der Kostenfaktor stellt eine große Hürde für den Datenjournalismus dar, auch der mangelnde Mut in Verlagshäusern und Redaktionen, neue Formate und Konzepte auszuprobieren, ist Grund dafür, dass Datenjournalismus noch nicht weit verbreitet ist.

USA und UK in der Vorreiterrolle

In Großbritannien und den USA ist Datenjournalismus nichts Neues. In den USA gehört der Datenjournalismus sogar zu den drei Informationssäulen: „people, paper, data“

Durch die Veröffentlichung der Afghanistan-Kriegstagebücher im Juli 2010 sowie die Irak-Tagebücher im Oktober 2010 haben vor allem der Guardian und die New York Times gezeigt, wie man zehntausende Dokumente online aufbereiten und den Leser anschaulich und verständlich in Form von interaktiven Infografiken präsentieren kann. Auch die Washington Post hat mit Top Secret America ein eindrucksvolles Beispiel für Datenjournalismus geliefert.

Ein großartiger Film über Daten-Visualisierung und Story-Telling


Datenjournalismus im deutschsprachigen Raum

Datenjournalismus, diese Form des investigativen Journalismus, wird schon lange nicht nur in der USA oder in Großbritannien betrieben – im deutschsprachigen Online-Zeitschriftensektor sind bereits der Spiegel, die Zeit, die TAZ und die Welt die Vorreiter, die mit Daten experimentieren. Als Musterbeispiel gilt die Infografik der Zeit Online zum Thema „Ausmaß der rechen Gewalt in Deutschland seit dem Fall der Mauer”. Aufgrund der mangelnden Stiftungslandschaft in Deutschland im Vergleich zu den USA ist es für die Verlagshäuser jedoch sehr schwierig, in Datenjournalismus zu investieren.

Und in Österreich?

Finanzielle Gründe dürften auch die Ursache sein, warum in den österreichischen Medienhäusern von Datenjournalismus kaum eine Spur zu sehen ist. Bei Wetterdaten und Wahlergebnissen sind interaktive Infografiken zwar bereits seit Jahren in den Onlineausgaben verschiedener Zeitungen etabliert, von investigativem Datenjournalismus ist jedoch kaum etwas zu vernehmen.

JournalistIn mit Programmierkenntnissen gesucht?

JournalistIn, InfografikerIn, SoftwarespezialistIn und InterfacedesignerIn – es sind eine Menge Kenntnisse notwendig, um Datenjournalismus betreiben zu können. Doch ist die Summe dieser Tätigkeiten gleich dem Berufsbild des Datenjournalisten?

Mark Luckie, Multimediajournalist bei der Washington Post, ist der Meinung, dass es als Journalist nicht notwendig ist, programmieren zu können. Natürlich erfordert die Erstellung von hochwertigen Infografiken einiges an Know-How, doch dies ist eine Aufgabe, die nicht mehr der einzelne Journalist erledigen kann. Als Journalist muss man nicht unbedingt alles von Grund auf selbst machen können, aber Journalisten sollten wissen, wie ihre Geschichten und ihre Webseiten im Ergebnis aussehen sollen. Sie sollten wissen, wen sie kontaktieren müssen, damit Programmierer das umsetzen, was ihnen als Idee vorschwebt.

Paul Bradshaw beschreibt im Data-Blog des Guardian sehr präzise, welche Kenntnisse notwendig sind, um Datenjournalismus betreiben zu können: Data Journalism – how to guide

Verwendete Quellen

Kommentar verfassen