Podcasts gehen in die Tiefe

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“Podcast” (cc) by Mingo Hagen (flickr: Mingo.nl)

Seismographen dienen dazu, die kurzen und intensiven, durch Erdbeben ausgelösten Bodenerschütterungen zu erfassen. Ein Phänomen, welches sich auch auf den Online-Journalismus übertragen lässt, denn auch ein Großteil der Netzpublikationen folgt dem Prinzip der kurzen und prägnanten Berichterstattung. Die Schlagzeilen der Online-Plattformen liefern in den meisten Fällen nur einen Anriss von Informationen, anstatt ausführlicher Hintergrundberichterstattung. Online-Journalismus tendiert dazu zu einem Take-a-Way Menü einer Fast-Food-Kette zu werden.

Natürlich lässt sich diese Aussage nicht verallgemeinern, denn es existieren immer noch Online-Medien die sich von diesem Trend distanzieren und  verstärkt auf eine ausführliche Berichterstattung setzen. Der bekannteste Vertreter ist sicherlich das englischsprachige Medium “The Huffington Post“.  Im Jahre 2012 gelang es der Huffington Post sogar, als erstes reines Online-Medium überhaupt den Pulitzer-Preis für hervorragende journalistische Leistungen zu erhalten. Doch auch der Hörfunkjournalismus in seiner multimedialen Ausprägung, den so genannten Podcasts, besinnt sich zurück auf eine gute und ausführliche recherchierte Berichterstattung. [Anm. d. Verf. Podcasts sind vergleichbar mit Radiosendungen, die unabhängig von Sendezeit angehört werden können.]

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ARD bietet etwa einen monatlichen erscheinenden Podcast namens „ARD-radiofeature“ an. Dieser beschäftigt sich von Ausgabe zu Ausgabe mit Themen, die in der tagtäglichen Berichterstattung nur einen marginalen Stellenwert einnehmen. So gewährt das “ARD-radiofeature” z.B. detaillierte Einblicke über den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND). In einem anderen Fall begeben sich die ARD-Journalisten auf die Suche nach den Motiven des Mörders Anders Behring Breivik und versuchen im Zuge dessen auch sein abstruses Weltbild zu ergründen.

Nicht nur der ARD und andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten nutzen die Kommunikationsform des Podcasten für sich. Auch eine Vielzahl von Berufsjournalisten nutzen das Medium, um sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit intensiv mit Special-Interest-Themen auseinanderzusetzen. Allen voran ist dabei der Podcast “Küchenradio” zu erwähnen. Dieser wird von einem Kollektiv freier Journalisten betrieben, die sich Themen widmen, die sonst keinen Platz in ihrem beruflichen Alltag finden. Der Podcast behandelt dabei Themen fernab des Nachrichten-Mainstreams, wie z.B. Sex mit Behinderung oder die Bedeutsamkeit von Bienen.

Es ist deutlich zu erkennen, dass das Genre Podcast thematisch definitiv einen Mut zur Lücke aufweist, doch liegt darin auch gleichzeitig die größte Problematik des Mediums. Podcasts sind eine Randerscheinung, die derzeit zum überwiegenden Teil nur von einem Special-Interest-Publikum zur Kenntnis genommen wird und deswegen auch nur eine niedrige Anzahl an Hörer/Hörerinnen besitzen. Dadurch ist deutlich zu erkennen, dass Nachrichten und Informationen in der Gesellschaft einen kurzlebigen Charakter besitzen, den es gilt aufzusaugen aber nicht zu verarbeiten. Podcasts könnten eine Alternative zu dieser Informationsjagd darstellen und vielleicht sogar eine Möglichkeit sein, um in diese schnelllebige Zeit wieder etwas Ruhe und Besinnung einkehren zu lassen.

Weiterführende Links:

Matthew Flamm: Digitial Media Takes Home a Pulitzer

Tim Pritlove: Die Wiederentdeckung der Langsamkeit – Warum Podcasts funktionieren

Podcast-Empfehlungen: 

Alternativlos

CRE: Technik, Kultur und Gesellschaft

Deutschlandradio – Hintergrund

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