WikiLeaks: 400.000 Dokumente der US-Armee zum Irakkrieg veröffentlicht

Soldaten bei Sonnenaufgang

Soldaten im Irak. (Foto: The U.S. Army/flickr Lizenz: CC 2.0)

Die 400,000 kürzlich veröffentlichten Dokumente über den Irakkrieg durch die „whistleblower“-Seite WikiLeaks stellt die USA und Großbritannien in ein schlechtes Licht. Die Dokumente beschreiben unter anderem 100,000 Todesfälle, die eine direkte Folge des Einmarschs der USA im Irak waren. Iraq Body Count, eine in London basierte Organisation, die Todesfälle in der Irakischen Zivilbevölkerung dokumentiert, zählt 15,000 bisher unregistrierte Opfer. Die Existenz  solcher Todesstatistiken wurden bisher von der US Armee dementiert.

Weiters soll die amerikanische Besatzung, Berichte von Misshandlung, Missbrauch, Vergewaltigung und Mord an Gefangenen  durch die Irakische Armee  keiner Untersuchung unterzogen haben. Das Standartverfahren sei es solche Anschuldigungen zu ignorieren.

WikiLeaks erntet Kritik

Das Veröffentlichen der Daten wurde von US Staatssekretärin Hillary Clinton scharf verurteilt, mit der Begründung, dass es ein Sicherheitsrisiko für  Staatsdiener und Zivilisten wäre. Pentagon Pressesekretär Geoff Morrell und Nato Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprachen sich ebenfalls gegen die Veröffentlichung der vertraulichen Daten aus. Kritik, die möglicherweise unbegründet ist, da das Pentagon kürzlich eingestanden hat, dass durch die Veröffentlichung ähnlicher Daten  im Juli 2010, über den Krieg in Afghanistan, niemand zu Schaden kam.

WikiLeaks ist das Paradebeispiel des modernen, aufdeckenden Journalismus, wobei die Frage bleibt, ob es richtungsweisend für dessen Zukunft ist. Neben der fehlenden Kontrolle und Anonymität ist ein wichtiger Kritikpunkt an Wikileaks, dass es die Menschen aufruft sich,  durch das Illegale weitergeben von vertraulichen  Material,  strafbar zu machen. Bradley Manning, der das Afghanistan Material  an Wikileaks weitergegeben haben soll, befindet sich momentan in einem Militärgefängnis außerhalb von Washington und wartet auf seine Anklage. Dass die Menschen, die WikiLeaks mit brisanten Material beliefern, wie auch WikiLeaks Gründer Julian Assange, sich damit in Gefahr begeben, ist die Kehrseite dieser Medaille.

Nutzer generierte Inhalte der Weg in die Zukunft

Nutzer generierter Inhalt ist eine eindeutige Richtung, die der Onlinejournalismus einschlägt und folglich, einige Gefahren mitbringt. In einem Medienumfeld, in dem sich Information sintflutartig ausbreitet, kann eine Falschmeldung schnell ein Medienspektakel auslösen.

Übereifrige Nutzer werden, unter dem Deckmantel der Anonymität, nicht davor zurückscheuen das Gesetz zu brechen, nur um ihre eigens gesammelte Information auf der ersten Seite zu sehen.  Bradley Manning könnte zu bis zu 52 Jahren Haft verurteilt werden. Das hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, die Dokumente weiterzugeben. Sicher hatte er gute Absichten, aber es gibt auch skrupellosere Menschen. Wem vertraut man in einer Welt, in der jeder der Urheber der nächsten Titelseite sein könnte?

Während dieser Orwell’sche Blick in die Zukunft etwas überzeichnet sein mag, sollten es sich die Medienanbieter zur Aufgabe machen, die Leserschaft zu unterrichten unter welchen Bedingungen ihre Information angenommen und verwertet werden kann.  Inhalte, bei deren Beschaffung jemand zu Schaden gekommen ist, oder jemand in seinen Freiheiten oder Rechten verletzt wurde, müssen strikt abgelehnt werden, um solches Verhalten einzudämmen. Wenn wir in Zukunft diese neue Möglichkeit der Informationsbeschaffung nutzen wollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass dies innerhalb eines humanen Rahmens geschieht. Wir müssen durch verantwortungsvolles Handeln dafür sorgen, dass wir keine Armee von Spionen heranzüchten. In der anonymen Masse schrecken viele auch vor der Selbstjustiz nicht zurück.

guardian.co.uk|Iraq war logs reveal 15,000 previously unlisted civilian deaths>>

guardian.co.uk|Iraq war logs: disclosure condemned by Hillary Clinton and Nato>>

guardian.co.uk|Iraq war logs: Wikileaks v Washington>>

guardian.co.uk|Iraq war logs: secret files show how US ignored torture>>

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