YouTube und der Journalismus

Youtube Logo mit Mikrofon und Videokamera

Bild erstellt von Benedikt Bilgeri

Jeder kennt es, jeder benutzt es, manche heimlich am Arbeitsplatz, andere öffentlich in der U-bahn. Mit einem “like” oder “dislike” wird Ruhm online verteilt. Die Rede ist natürlich von YouTube-Videos.

Von einer Katze die Keyboard spielt, bis hin zu politischen Großdemonstrationen findet sich nahezu alles abrufbar auf der Video-Plattform. Längst haben Journalisten das neue Medium für sich entdeckt und sind eifrig bemüht es in ihren Informationsalltag einzugliedern. Immer mehr Zeitungen binden auf ihren Online-Plattformen YouTube-Videos in ihre Texte ein, weil sie somit schnell und billig an Bildmaterial herankommen.

Doch wie sieht es mit YouTube aus, als Vertreiber von journalistischem Content?

Nachrichten oder „Infotainment“?

Immer mehr Zeitungen oder Radiostationen öffnen sich der Idee, Nachrichten über einen YouTube-Channel zu veröffentlichen. So lässt sich die Englische Zeitung “The Guardian” zum Beispiel schon seit dem Jahr 2006 auf YouTube in ihrem Channel “The Guardian” finden. Ein weiterer Vorteil von YouTube scheint das Angebot an Nischen die ihr Nachrichten-Content auf spezielle Art und Weise dem User übermitteln.

Der News-Channel „Source Fed“ präsentiert deren Nachrichten von Moderatoren die in der Lage sind, diese sehr schnell zu sprechen und ergänzt das Ganze mit Einlagen von witziger Situationskomik. Betrachtet man die meisten News-Channel auf YouTube die nicht von Zeitungen oder anderen professionellen Journalistischen Institutionen stammen, so lässt sich eine deutliche Verlagerung zum „Infotainment“ erkennen. Meistens werden Nachrichten von anderen Medien übernommen und mit dem jeweiligen Channel-typischen Stil überarbeitet und danach präsentiert. Und wer kann es ihnen übel nehmen, mit über 400.000 Abonnenten wie beim YouTube-Channel von „Source Fed“, scheint sich diese Vorgehensweise durchaus zu bewähren.

Reuters auf YouTube

Wer sich jedoch nach ungeschmückten, harten Nachrichtencontent sehnt, wird bei Reuters YouTube-Channel „Reuters TV“ fündig. Die größte Nachrichtenagentur der Welt hat im Januar 2012 ihren eigenen YouTube-Channel gestartet der 11 Unterbereiche Umfasst. Bei den Sub-Channels von Reuters TV handelt es sich um folgende:

  • Reuters Investigates, präsentiert investigativer Journalismus und spezial Reportagen rund um den Globus.
  • The Trail, mit Reuters politik-Reportern, die über den Präsidentschaftswahlkampf in den USA berichten.
  • Felix TV, mit Reuters Finanz Blogger Felix Salmon, der um die Wichtigsten Ereignisse in der Finanzwelt informiert.
  • Freeland File, bei der Reuters Digital editor Chrystia Freeland die aktuellsten „Newsmaker“ interviewt.
  • Tech Tonic, mit Reuters Moderator Anthony De Rosa, der über Digitale und Soziale Medien informiert.
  • Media Bite, beschäftigt sich mit allen Veränderungen und Neuheiten in der Multimedia Welt.
  • Fast Forward, bei der Reuters Digital editor Christia Freeland sich mit anderen Reuters Journalisten über aktuelle Themen unterhält.
  • Rough Cuts, präsentiert die besten Video Aufnahmen von Reuters Journalisten und geht genauer auf diese ein.
  • Decoder, erklärt mit Hilfe von Reuters Journalisten die Themen der größten Nachrichten.
  • Money Clip, Finanz Editor Lauren Young berät rund um finanzielle Angelegenheiten.
  • Investing 201, zeigt Markt Ideen für professionelle Investoren

Ob jedoch die Vidcasts und Podcasts des World Wide Web schlussendlich Radio und Fernsehnachrichten auf dem Informationsmarkt verdrängen werden, wird sich wohl erst in ferner Zukunft zeigen.